jakuuub

Die goldene Stunde in der Kälte

Was macht man, wenn man morgens um fünf Uhr dreißig aufwacht, frei hat und nicht mehr schlafen kann?
Man hat grandiose Ideen. Anstatt gemütlich zu frühstücken, könnte man doch nach draußen und mal die Blaue Stunde bzw. die Goldene Stunde fotografieren. Das ist der Zeitraum kurz vor (blau) bzw. kurz nach (golden) dem Sonnenaufgang. (Das gleiche dann am Abend, aber gegen den Uhrzeigersinn. Oder so.) Wikipedia weiß natürlich mehr.

Unter golden-hour.com gibts ein tolles Tool zur Berechnung. Man wählt seinen Standort (leider etwas umständlich…) und bekommt angezeigt, wann die Blaue Stunde beginnt und die Goldene Stunde endet. Laut Berechnung hatte ich also noch ein wenig Zeit. Also Duschen, warme Sachen anziehen, Equipment checken und los.

Halt, vorher noch schauen wo ich überhaupt fotografieren will. Schließlich braucht man ja Sicht auf den Horizont oder zumindest eine vernünftige Kulisse. Also den Stadtplan von Filderstadt (der Begriff Stadt ist in diesem Satz eigentlich unangebracht…) rausgeholt und nach diesen kleinen Sternchen geschaut, die für Aussichtspunkte stehen. Na, da ist ja was. Uhlbergturm. Klingt gut. Laut Höhenlinien sollte die Sicht nach Südosten auch frei sein. Ja, Südosten. Die Sonne geht nicht immer exakt im Osten auf. Aber das zeigt das tolle Tool auch an.
Na gut, dann fahren wir mal dahin.

Beim Verlassen des Hauses überkommt mich leichte Panik. Der Himmel wird ja schon blau! Aber zum Aussichtspunkt ist es nicht weit. Nur irgendwie ist das hier alles Wald. Wo gehts denn jetzt lang? Hmm… da ist der Turm. Und da ist eine Schranke. Also zu Fuß weiter. Oh, Turm geschlossen. Und von unten dank angrenzender Schrebergärten keine freie Sicht. Suuuper Sache.

Also woanders hin. Irgendwie läuft die Zeit davon. Dann halt keine Blaue Stunde. Hier hönnte es passen. Naja, geht so. Netter Blick, aber komische Sachen im Weg. Hey, hier um die Ecke ist doch ein Feldweg. Von da oben müsste doch eigentlich… Jup. Grandiose Sicht. Also das alte Stativ aufgebaut. Cool, Wechselplatte nicht dabei. ^^ Naja, das Blitzstativ ist ja noch im Kofferraum.  Sieht sehr stabil aus, das Ganze… Egal. So langsam wandelt sich das Licht von blau zu gold. Und irgendwie wirds nicht wärmer sondern kälter. Muss mir doch mal vernünftige Handschuhe zum Fotografieren besorgen. Und lange Unterhosen. Aber die Aussicht auf den Sonnenaufgang entschädigt für die schmerzenden Hände. Kein langweiliger Horizont sondern ein paar sanfte Hügel und Wälder. Feldwege und so. Awesome. Also fleißig den Auslöser drücken. Die Idee eines Panoramas scheitert am ungeeigneten Stativ. Schade eigentlich. Dann halt einfach so. Mal Weitwinkel. Mal Tele. Mal Sonne links. Mal Sonne rechts. Mal ohne Sonne. (Ja, ich habe mich wieder zu Spray & Pray verleiten lassen…)
Wenn man seine Hände nicht mehr spürt, ist der Zeitpunkt nahe, um nach Hause zu gehen. Aber auf dem Rückweg fahre ich noch kurz am Bäcker vorbei. Es ist Zeit fürs Frühstück.

Golden Hour 1

Was lernen wir daraus für die Fotografie der Blauen und Goldenen Stunde?

  1. Wenn man morgens um halb sechs aufwacht hat man tolle Ideen.
  2. Man sollte sein Equipment vorher wirklich komplett überprüfen. Am besten am Abend vorher. Vor allem, wenn man sein Stativ benutzen will. ^^
  3. Es kann nicht schaden, die geplante Location vorher schon mal gesehen  und sich eventuell über Öffnungszeiten informiert zu haben.
  4. Kleidung, Kleidung, Kleidung. Und Handschuhe. Weil kalt. Außer im Hochsommer vielleicht.
  5. Lieber ne halbe Stunde früher vor Ort sein, als berechnet. Durch den Verkehr kommen, Aufbauen, Testbilder machen, Standort korrigieren doch noch schnell Kaffee holen usw. kosten dann doch kostbare Minuten.
  6. Geduld zahlt sich aus.
  7. Die besten Locations findet man zufällig.
  8. Frühstück schadet nie.
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