Man ist heutzutage ja schon ziemlich verwöhnt. High-Tech-Kamera mit tollem Autofokus, Multifeld-Belichtungsmessung und all den tollen Features. Direkt nach dem Auslösen kann man sich das Ergebnis auf dem Display anschauen, Serienaufnahmen mit 4,5 Bildern pro Sekunde abfeuern und gefühlt unendlich viele Fotos machen. Und das ganze noch ohne teure Filme und Entwicklungen. Zuhause dann schnell die Speicherkarte eingesteckt, Fotos in Lightroom geladen, Regler verschoben, Horizont gerade gebogen und mit den Farben gespielt. Das Ganze wird dann mit ein, zwei Mausklicks zu flickr hochgeladen und fertig.
Alles sehr bequem, nicht wahr?
Ja. Deswegen hab ich mal was anderes gemacht. Ich hab meinen Eltern die alte Pentax P30 geklaut, im Fotoladen neue Batterien und ein paar Filme (ja, Filme) gekauft. Und dann bin ich losgezogen:
Halt, erstmal muss ja der Film eingelegt werden. Nach einer kurzen Fummelei war auch das geschafft. So, wo ist denn der Aperture-Modus? Ach so, gibt’s ja nicht. Siehe da, ein Blendenring. Den kenn ich ja schon von meinem 50mm-Objektiv. Naja, stellen wir mal auf 11. Und die Belichtungszeit? Ohje, die Kamera hilft mir ja garnicht. Hmm… Nimmste mal 125, wird schon irgendwie passen. Dann machen wir doch mal ein Foto. Kein Autofokus. Naja, manuell hab ich ja schonmal fotografiert. Aber hey, das ist ja cool. Im Sucher zeigt sich ein hübscher Kreis. Wenn das Bild unscharf ist, verschiebt sich die untere Hälfte. Das ist ja praktisch. Dann drück ich mal ab. Kurzer Kontrollblick aufs Display. Nee, da war ja was. Ist ja analog. Da is nicht viel mit Display. Muss ich halt warten. Dann halt direkt noch eins. Häh, wieso geht das jetzt nicht? Achso. Film spannen. Fühlt sich irgendwie gut an. So schön retro.
Nach ein paar Bildern merke ich, wie sich mein Blick und mein Denken verändert. Ich lasse mir plötzlich viel mehr Zeit für die Einstellungen. Überlege intensiver, wie sich welche Dinge auf das Bild auswirken könnten. Spüre die Ungewissheit, ob das jetzt ein(vermeintlich) gutes oder schlechtes Bild geworden ist. Ob es unscharf ist. Unterbelichtet. Überbelichtet. Krumm und schief. Kurzum: ich befasse mich intensiver mit dem Obejekt, der Kamera und dem (zukünftigen) Foto.
Warum erzähle ich das? Ich empfehle jedem, der gerne und viel Fotografiert, einfach mal nur mit einer Analogkamera loszuziehen. Ihr werdet mehr über das Fotografieren und Euren Blick lernen, als es mit Eurer teuren Nikon oder Canon 12-Megapixel-Kamera jemals könntet.
Sobald die Fotos aus dem Labor da sind, werde ich sie mal hochladen. Nur das mit den EXIF-Daten wird schwierig, befürchte ich.
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Seeeeeehr schöner Beitrag. Und noch gut geschrieben
….mir ganz aus der Seele gesprochen
Schön geschrieben. Habe ich auch gerade gemacht mit ein paar Freunden. Die Negative haben wir dann zusammen selbst entwickelt. Ich habe die Negative dann einem Scan Service geschickt. Ergebnisse:
http://www.flickr.com/photos/kraichgau/sets/72157622888128564/
Klasse Artikel. Ich glaube, ich werde das mal mit der analogen Pentax meiner Schwester ausprobieren. Im M-Modus
Mit den “EXIF”-Daten ist es beim analogen Fotografieren eben auch wie beim analogen Fotografieren: es ist Handarbeit angesagt. Mit andern Worten: man führt ein Notizbuch mit sich, in das man für jedes Foto die entsprechenden Daten inklusive den Film, den man verwendet, Ort, Uhrzeit und was einem sonst noch so wichtig ist einträgt. Eine Art Fototagebuch also.
Toller Artikel. MIr erging es kürzlich genau so und ich hatte durch die analoge Fotografie einen großen Zugewinn, weil ich tatsächlich bewusster fotografiert habe!
hallihallo,
schön geschrieben. aber… ich würde sogar noch weitergehen
ich empfehle jedem sogar mal einen Tag in der guten, alten Dunkelkammer.
wer mit digital angefangen hat, naja, ich denke mal, dem fehlt einfach ein bisschen was…
also, endecke die (analog-)möglichkeiten…
oder so…
so long,
a.
@Martin: Vielen Dank für das Lob und die Verlinkung!
@bcRichter: Ich glaube, dass werde ich mal bei der nächsten Analog-Fototour so machen.
@angelo: Dunkelkammer würde mich wirklich mal reizen. Aber wo findet man heutzutage jemanden, der einem mal eine zeigt?
Komm vorbei, bring bier mit (für nachher) und ich zeig Dir meine bescheidenen Möglichkeiten. aber es kommen Bilder dabei raus !
(Wäre in der Nähe der Stadt die es nicht gibt)
Gruß
Ein analoger ;-9
Finde ich natürlich wunderbar!
Schließlich habe ich’s fotografieren von der 6×9 Box weg und den Kopierrahmen in der improvisierten Dunkelkammer (Bad) über alle Stufen gelernt …